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Ausreden für den Krempel

Selbst wenn man ein Ding als Krempel identifiziert hat, heißt das noch lange nicht, dass man sich ohne Probleme davon trennen kann. Zahlreiche Gedanken machen uns das Entrümpeln schwer und halten uns davon ab, den Krempel endgültig aus unserem Leben zu verbannen. Sentimentale Erinnerungen, Verlustangst oder ein schlechtes Gewissen. Es gibt viele Gründe, warum man alles behalten möchte. Die Ausreden zu kennen ist der erste Schritt, um mit dieser Entrümpelungs-Falle klar zu kommen

Ausreden, warum wir uns nicht von dem Krempel trennen können:

1. Irgendwann kann ich das Zeug nochmal gebrauchen

Die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Ding nochmal braucht, obwohl es die letzten drei Jahre nur unbenutzt herum stand, ist relativ gering. Es sei denn, man wird erst durch das Entrümpelungsvorhaben auf den vermeintlichen Nutzen des Gegenstands aufmerksam.

Ich habe diese Erfahrung schon öfters gemacht. Beim Entrümpeln des Dachbodens finde ich ein völlig zugestaubtes und seit Jahren nicht mehr benutztes Waffeleisen. Obwohl ich bislang auch sehr gut ohne Waffeln leben konnte, fällt mir ausgerechnet jetzt ein, dass ich unbedingt noch einmal Waffeln backen müsste. Also behalte ich das Waffeleisen nicht nur, ich nehme es auch wieder mit in die Wohnung, wo es wertvollen Platz in meiner kleinen Küche belegt. Dort steht es dann weiterhin ungenutzt herum, weil es nach der Benutzung so schwierig sauber zu machen ist. Und ganz ehrlich, wenn mir in zwei Jahren einfällt, dass mein Glück von ein paar selbst gemachten Waffeln abhängt, dann kann ich mir immer noch ein neues Waffeleisen kaufen (oder, was wesentlich sinnvoller wäre, mir eins bei meinen Nachbarn ausleihen).

2. Das Zeug ist mit positiven Erinnerungen verbunden

Postkarten von Freunden, Souvenirs aus sämtlichen Urlauben, selbst gesammelte Muscheln, Zeichnungen und Gebasteltes der Kinder, das Sonntags-Porzellan der Großtante, die Briefmarkensammlung der Oma… Dinge, die uns an etwas oder jemanden erinnern, besitzt wohl jeder von uns. Es fällt uns schwer, diese Dinge wegzugeben, weil wir fürchten, dass dann auch die Erinnerung verschwindet.

Doch wir sollten uns klar machen, dass wir den Dingen dadurch eine zu große Wichtigkeit in unserem Leben geben. Ich werde meine Oma nicht vergessen, auch wenn ich mir nicht die 37 Alben voller Briefmarken in die Wohnung stelle. Außerdem sollten die Dinge auch wirklich in unserem aktuellen Leben noch von Bedeutung sein. Nur um ab und an sentimental in der Vergangenheit zu schwelgen, braucht man nicht kistenweise Krempel aufbewahren.

Eine, wie ich finde, schöne Möglichkeit dieses Problem zu lösen, ist es, ein kleines Schatzkästchen zu haben. Dort ist Platz für einige wenige, wirklich bedeutende Erinnerungsstücke. Aus der Briefmarkensammlung kann zum Beispiel eine besonders schöne Marke hineingelegt werden. Oder die erste/schönste Zeichnung meiner Kinder und eine besonders schöne Muschel aus dem letzten Urlaub. Von Dingen, die zu groß dafür sind, kann man ein Foto machen, welches man in die Schatzkiste legt. Durch die Reduzierung auf wenige Erinnerungsstücke wird nicht nur das Gerümpel weniger, die Gegenstände gewinnen auch an Bedeutung.

3. Das Zeug führt dazu, dass ich mich besser/wertvoller fühle

Besonders Statussymbole führen häufig zu dieser Ausrede. Ich möchte die wertvolle Uhrensammlung, teure Markenklamotten oder eine riesige Golfausrüstung nicht verurteilen. Aber wer solche Dinge nur besitzt, um sich besser zu fühlen, sollte ernsthaft darüber nachdenken, ob der Besitz dieser Gegenstände wirklich nötig ist. Verzichtet man direkt auf den Erwerb solcher Statussymbole, spart man auch sehr viel Geld, da es sich dabei meist um teuren Krempel handelt.

Ich selbst habe mir vor einigen Jahren eine für meine Verhältnisse teure Handtasche einer zu dieser Zeit total angesagten Marke gekauft. Ich wollte sie unbedingt haben und war überglücklich, als ich sie endlich in den Händen hielt. Da die Tasche aber nicht wirklich alltagstauglich war, habe ich sie so gut wie nie genutzt. Andere Handtaschen kamen und gingen, aber diese Tasche überlebte lange Zeit jede Entrümpelungs-Aktion. Zum einen weil sie etwas Besonderes war und zum anderen weil sie so teuer war. Erst bei meinem letzten Versuch, schaffte ich es, mich von dieser Tasche zu trennen. Ich verkaufte sie und bekam nicht nur mehr als 2/3 des ursprünglichen Kaufpreises dafür, ich hatte auch wieder mehr Platz für die Handtaschen, die ich wirklich nutze.

4. Das Zeug war teuer

Für einen Großteil unseres Krempels haben wir irgendwann einmal Geld bezahlt. Dabei entpuppen sich häufig die Dinge als Krempel, die besonders günstig waren. Schnäppchen haben die Eigenschaft, dass sie zwar günstig sind, wir sie aber meistens nicht brauchen.

Wer kennt das nicht? Man geht in ein Geschäft, weil man eine neue Hose benötigt, zufällig sind aber gerade Röcke im Angebot. Allein das auffallende Wort „Sale“, „Reduziert“ oder ähnliches reicht bei den meisten Menschen aus, um sie von ihrem ursprünglichen Vorhaben abzubringen. Statt einer neuen Hose, werden auf einmal auch Röcke als eine durchaus nötige Anschaffung angesehen. Und so kommt man dann nicht nur mit einer neuen Hose, sondern auch gleich mit drei neuen Röcken nach Hause. Nicht, weil man sie unbedingt braucht, sondern weil sie so günstig waren.

5. Das Zeug war ein Fehlkauf

Sich eigenen Fehler einzugestehen ist nicht leicht. Fehlkäufe gehen häufig aus den in Punkt 4 erwähnten Schnäppchen hervor, aber auch verhältnismäßig teure Gegenstände entpuppen sich im Nachhinein ab und zu als Krempel. Die Hose, in die ich spätestens in vier Wochen rein passen werde, weil ich bis dahin 6 kg abgenommen habe, die Multifunktions-Küchenmaschine, die ich nicht benutze, weil sie so umständlich zu reinigen ist oder der neue Foto-Drucker, mit dem ich laut Verkäufer im Handumdrehen meine schönen Fotos selbst drucken kann, dessen Patronen aber so teuer sind, dass ich meine Bilder weiterhin im Drogeriemarkt entwickeln lasse.

Je teurer die Dinge waren, desto schwerer fällt es, sich den Fehlkauf einzugestehen. Ich hatte eine ganze Zeit lang mehrere wirklich schicke Schuhe in meinem Schrank stehen, die ich jedoch nicht ein einziges Mal getragen habe. Meistens wusste ich schon beim Kauf, dass es eine Herausforderung werden würde. Ich bin es nicht gewohnt, auf Absätzen zu gehen und als  dementsprechend unbequem empfinde ich das Laufen auf hochhackigen Schuhen. Trotzdem landen immer wieder Schuhe mit Absätzen in meinem Schrank, meistens, weil ich sie wirklich schön finde und mir auch wünsche, dass ich sie anziehe. Und während der Anprobe im Schuhgeschäft merkt man noch nicht, wie unbequem das Tragen auf Dauer werden kann. Aber spätestens nach dem ersten mit Schmerzen endenden Gehversuch landen die meisten meiner Fehlkäufe im Schrank und werden nie wieder getragen.

Nie getragene Schuhe wegzuwerfen ist nicht leicht. Selbst hart gesottene Entrümpler können damit Probleme bekommen. Aber das alles ändert nichts daran, dass die Schuhe zu Krempel geworden sind und wir sie einfach nicht mehr brauchen. Sie wegzugeben, oder gar wegzuwerfen mag auf den ersten Blick zwar schwierig sein, allerdings erleichtert es ganz ungemein das Gewissen. Stehen die Schuhe nämlich weiterhin ungetragen im Schrank herum, erinnern sie uns täglich an unseren Fehler.

6. Das Zeug war ein Geschenk

Viele Geschenke sind leider von Anfang an Krempel, auch wenn der Schenkende das meistens anders sieht. Was tut man nun mit solchen Dingen, mit denen jemand uns eine Freude machen wollte? Ich schaffe es zwar selbst nicht immer, mich daran zu halten, aber generell bevorzuge ich dabei eine sehr strikte Vorgehensweise. Wenn mir ein Geschenk nicht gefällt und/oder keinerlei Nutzen für mich hat, dann trenne ich mich wieder von ihm. Sei es durch Umtausch, weiter verschenken oder im schlimmsten Fall: wegwerfen. Ich erkenne durchaus den guten Willen an, der hinter dem Geschenk steht, aber ich bin nicht bereit, mir die unzähligen kitschigen Porzellan-Figürchen in meine Wohnung zu stellen, die mir die Mutter eines Ex-Freundes zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit geschenkt hat.

Egal, welche Ausrede man benutzt, im Endeffekt ändert es nichts an der Tatsache, dass uns das Behalten des Krempels Zeit, Geld und Kraft kostet und es besser ist, sich davon zu trennen.

Mit welchen Ausreden habt ihr besonders zu kämpfen? Ihr könnt die Kommentarfunktion nutzen, um mir von euren liebsten Ausreden erzählen, die euch am entrümpeln hindern.

Foto: qay  / pixelio.de

3 Kommentare

  1. M.C.

    Hallo! Das sind wirklich interessante Artikel mit sehr guten Hinweisen.
    Lg.

  2. Sarah

    Besonders Punkt zwei gefällt mir sehr gut! Für mich sind das die schwierigsten Gegenstände. Vor ein paar Wochen habe ich dazu eine spannendes Beispiel gelesen. Wenn du sterben würdest und jemand müsste deine Wohnung aufräumen und er würde auf haufenweise wertlose Erinnerungsstücke stossen, er würde sie wahrscheinlich ziemlich unangetastet in eine Kiste packen und diese entweder wegwerfen oder in seinem Keller unterbringen. Hat man jedoch wie du so schön sagst, nur ein Schatzkistchen, dann wird dieses bestimmt ganz genau angeschaut und es wird überlegt was diese kleinen Dinge wohl für eine schöne Bedeutung hatten.

    Dieses Beispiel hilft mir ganz gut, ich will meine Erinnerungsstücke auch auf eine kleine Kiste reduzieren und hoffe das gelingt mir. Was mir wirklich schwer fällt sind Gebrauchsgegenstände die schon lange in unserer Familie sind, oder Kinderkleidung von mir, welche ich denke, so schön wäre meinen eigenen Kinder noch anzuziehen. Naja, die kleine Jeansjacke ist wohl absolut too much 80s um sie in den kommenden Jahren noch jemandem anzuziehen ;)

    Liebe Grüsse
    Sarah

    1. Andrea

      Hallo Sarah,
      Erinnerungsstücke fallen mir auch oft schwer. Besonders, wenn sie eben nicht in meine kleine Kiste passen. Die guten Gläser meiner Oma sind da ein gutes Beispiel. Von denen kann ich mich einfach nicht trennen. Kinderkleidung von mir gibt es keine mehr, aber Spielzeug teilweise. Aber da es bei meinen Eltern im Keller steht ist das zum Glück nicht meine Baustelle ;-)
      LG Andrea

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